© Jan Bosch
© Jan Bosch
© Jan Bosch
© Jan Bosch
 

Thomas Melle, in einer eigenen Bühnenfassung des HLTM

Die Welt im Rücken

 

Ein Mensch. Ein Mensch und die Vielzahl seiner Erfahrungen. Ein Mensch und die Bandbreite seiner Erfahrungen. Der Blick auf diese Erfahrungen. Der Blick aus der Gegenwart in die Vergangenheit. Der Blick der anderen auf diesen Menschen. Der Blick der anderen auf die Ereignisse. Diese Ereignisse, die doch aus jeder Perspektive anders sind. Der Blick aus dem Jetzt auf das Vergangene, das etwas anderes ist als es damals meinte zu sein. Früher wirklich, heute nur reines Irrlicht und doch unumstößliches Ereignis.


Wenn die Welt zu einem Gemisch aus Perspektiven wird, die ineinander fallen und die Wirklichkeit zum Zersetzen zwingen wollen. Wenn die Welt zwischen den Extremen der Wahrnehmung wankt, zerrüttet. Wenn das Selbst aufgrund der Vielzahl von Gefühlen zu bersten droht oder dem Stillstand anheim fällt. Dann bleibt das Erzählen, um es begreifbarer zu machen, für sich selbst und die anderen.


Der autobiografische Roman von Thomas Melle berichtet von der Welt eines Menschen, der manisch-depressiv ist, der an einer bipolaren Störung erkrankt ist. Es ist eine radikale Selbstbeschreibung, ein Ordnungsversuch der verschiedenen Zustände und Erlebnisse. Dieser Versuch, die eigene Geschichte zu erzählen, wird zum einzig möglichen Weg der Annäherung und Hoffnung. Doch sind die Beschreibungen dem Scheitern ausgesetzt, die Momente scheinen vor jeglicher klaren Zuschreibung unaufhörlich zu flüchten.


Wie die Realität flieht, wie sie sich immer wieder der eigenen Erfahrung entzieht. Wie beschreibt man dieses ‚Leben‘? Das Selbst ist fluid, einmal rasend schnell und dann gelähmt. Die Wahrnehmung in einem Moment pfeilscharf und dann ohnmächtig. Alles wird zum Zeichen und dann sinnlos. Erst die Explosion, dann der Stillstand. Immer wieder. Es ist ein Leben zwischen den Extremen. Das Selbst als fragiles Konstrukt, eine mit der Welt diffundierende Form und doch radikal sich selbst behauptend. Zwischen den Bewertungen der anderen und der eigenen Unzugänglichkeit ebenso gefangen wie zwischen der Frage, ob man noch funktionsfähig ist. Wer entscheidet das? Die eigene Konstitution, die sich immer sprechend selbst beobachtet oder der Blick der anderen auf die nie erfahrbare Welt des Gegenübers. Der Versuch der Rückeroberung
des Selbst gegenüber der Welt im Rücken, und der Vergangenheit und Zukunft.


Für Liebhaber*innen großartiger Literatur und zärtlich-poetischer Sprachgewaltigkeiten.
Für alle Menschen ab 15 Jahren, die den Blick über die Grenzen der eigenen Wahrnehmung richten und dabei Neues und auch sich selbst entdecken wollen.

Die Welt im Rücken von Thomas Melle ist im Rowohlt Berlin Verlag erschienen.


Hier geht es zur Materialmappe zum Stück.

Ort:

Kleines Tasch

Premiere:

Samstag, 14.03.2020

Regie: Eva Lange
Bühne & Kostüme: Ulrike Obermüller
Dramaturgie: Christin Ihle
Theaterpädagogik: Juliane Nowak

Es spielen:

Mechthild Grabner
Zenzi Huber
Christian Simon

Lehrplanrelevante Informationen

Etwas stimmte also nicht. Ich meinte: Mit der Welt. Er meinte natürlich: Mit mir.

Die Welt im Rücken