© Jan Bosch
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Elfriede Jelinek

Ein Sportstück

Gegenwartsdramatik

 

„Spektakuläre Spielzeiteröffnung. Komplexer Blick auf die Welt mit Elfriede Jelineks ,Ein Sportstück‘ am Hessisschen Landestheater Marburg.“
„Die klar positionierte Inszenierung schafft nicht nur beeindruckende Bilder […]. Im Wechselspiel mit Film und Musik erhalten die Worte nachhaltige Eindringlichkeit.“
Sabine Jackl, Oberhessische Presse (26.09.2023)

11 Millionen Deutsche sind in Fitnessstudios registriert. Was suchen sie dort? Ist es die Sucht nach einem schöneren Körper? Der Wille der kapitalistischen Logik der Hantelbank zu folgen oder dem großen Imperativ unserer Zeit: gesund sein zu müssen?

Mit EIN SPORTSTÜCK (1998) gewann Elfriede Jelinek als Dramatikerin weltweite Anerkennung: Die Nobelpreisträgerin untersucht das Massenphänomen Sport und benutzt es als Metapher für alle übersteigerten Anstrengungen, die wir Menschen in den kapitalstarken Industrienationen unternehmen, um schön, stark und „in“ zu bleiben – und sei es nur zu Hause vor dem Bildschirm. Jelinek beschreibt wortfulminant und bittersüß-eloquent den Sport als die Vorbereitung der Massen für den Krieg.

Die wenigen Figuren neben den griechischen Chören heißen „Mann“, „Frau“, „Das Opfer“ oder auch das alter Ego der Autorin „Elfi Elektra“ – einst sprach man von einer bitteren Komödie. Und das ist es auch: Da trifft der Sportlersohn auf die Mutter, die ihn verloren zu haben glaubt und heftig darüber mit dem Chor debattiert. Da reflektieren Chor – bestehend aus Marburger Bürger*innen zwischen 15 und 85 – und Chorführer*innen über Rechtspopulist*innen. Da trifft die Schlagersängerin auf griechische Mythologie und Arnold Schwarzenegger wird vom Thron des ewigen Bodybuilding-Idols geschubst.

Ein Spektakel. Ein Event. Mit mäandernden, klugen Texttiraden und speziellen, aber durchaus spektakulär anmutenden Show-Momenten. Wie können wir der von Jelinek vermuteten Verbindung zwischen Sport und Krieg, Masse als Macht für etwas Zerstörerisches entkommen? Wie dieser tradierten Logik etwas entgegenstellen? Auch eine friedliche Revolution ist eine Bewegung.

Wir freuen uns und sehen es als großartiges künstlerisches Experiment, dass die Frankfurter DJ Rose Nylund in gleichermaßen Brecht’scher Manier, wie auch im Duktus der guten Samstagabend Unterhaltungsshow, den zwar großartigen, aber anstrengend aufzunehmenden Gedanken immer wieder ein musikalisches Intermezzo entgegensetzt. Eine Bewegungsstudie für Menschen ab 15 Jahren, die Spaß an ausgedehnten Sprachjonglierkünsten haben und Körper und Gedanken in Bewegung bringen möchten.



Hier geht es zur Materialmappe zum Stück.

Johanna Schwaiger ist im Schauspielstudio Marburg – Kooperation zwischen dem HLTM, der HfMDK Frankfurt und der Kunstuniversität Graz

Ein großer Dank geht an:

den Freundeskreis des HLTM für die außergewöhnlicher Unterstützung,
Christian Keul für die musikalische Unterstützung,
Prof. Andrea Geier,
und an das Staatstheater Darmstadt für die Unterstüzung im Kostüm.

Aufführungsdauer:

ca. 3 Stunden, 1 Pause

Premiere:

Samstag, 23.09.2023

Regie: Carola Unser-Leichtweiß
Bühne & Kostüme: Jörn Fröhlich
Lichtdesign: Bianca Mischinger
Musik: DJ Rose Nylund
Choreografie: Sophia Guttenhöfer
Koordination: Max Linzner
Dramaturgie: Petra Thöring
Theaterpädagogik: Lotta Janßen, Max Linzner
Regieassistenz: Henriette Seier
Inspizienz: Xenia Strauss, Henriette Seier
Soufflage: Silke Knauff

Es spielen:

ELFI ELEKTRA u. w.Fanny Holzer
ELFI ELEKTRAA, ACHILL, JUNGE FRAU u. w. Lisa Grosche
ELFI ELEKTRAAA, FRAU, PIETÀ u. w.Ulrike Walther
ELFI ELEKTRAAAA, MANN, ANDY, HEKTOR u. w. Sven Brormann
CHORFÜHRER*IN u. w. Faris Saleh
CHORFÜHRER*IN, SCHLAGERSÄNGERIN u. w.Mia Wiederstein
CHORFÜHRER*IN, SCHLAGERSÄNGERIN u. w.Anke Hoffmann
CHORFÜHRER*IN, SCHLAGERSÄNGERIN u. w.Johanna Schwaiger
FRAU, HELENE FISCHER u. w. Aliona Marchenko
CHOR DER SPORTSFREUND*INNENLucy Betz-Dreyer, Angelika Bieneck, Hannah Brenzinger, Tami Burbach, Katja del Galdo, Yasemin Gedik, Aref Ghaedamini Harouni, Cosma Jünemann, Christa Lenkeit-Kepura, Anneli von Lieres, Sophie Stelker und Birte Winkler

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