Amir Gudarzi

Wonderwomb

/Uraufführung

Gegenwartsdramatik

 

Der Preisträger*innentext 2022 des „Kleist-Förderpreises für junge Dramatiker-
innen und Dramatiker“

Ein Friedhof im Osten, der verbunden ist mit dem Westen, unterwegs im Meer: Das Erdöl, ein sprechender Chor der toten Lebewesen, eine schwarze Einheit, die die Wirtschaft ankurbelt und alles wieder in eine Einheit zurückzwingen wird. Der Grund, warum Länder und Menschen überfallen, Kriege und Kämpfe geführt werden. Und wir, die immer von diesem Treibstoff für vieles umgeben sind, gebettet auf Matratzen, kaugummikauend auf asphaltgepflasterten Straßen. Und irgendwo wird immer nach Öl gesucht, in das Herz der Erde gebohrt. Es ist ein Stück, das einen Weltzusammenhangsversuch zeichnet. Vermeintlich einzelne Episoden verweben sich zu und in einen großen Zusammenhang. Die Ereignisse spinnen sich zu einem Netz einer globalisierten und medial verbunden Welt. Dort passiert das eine, dort das andere und immer haben die Dinge miteinander zu tun, mehr als diesselbe Zeit, in der sie stattfinden. Dort wird ein Öltanker angegriffen, ein Kriegstsunami droht, ein Geldtsunami und Nachrichtentsunami bricht los – hier und dort. Enger wird die Enge. Der Markt verbindet die Dinge und an der Börse steigt der Preis für das schwarze Gold, das Öl, das uns alle verbunden hält. Kurz davor all-in gegangen, trennt das Verlieren und Gewinnen nur einen Augenblick, der anderswo geschieht. Trennt wieder die Gewinnenden von den Verlierenden, zeigt das Ungleichgewicht und die stete Asymmetrie. Und dann fließt es auch noch, nicht nur der Geldstrom, sondern auch das Öl, ins Meer. Blau wird zu schwarz. Das Öl breitet sich aus im Meer und reißt wieder und wieder unzählige Wesen in den Tod. Das Öl, das zu Dollars werden könnte, fließt. Und wird es fließen bis es zu heiß sein wird, um zu liegen an den Stränden, zu wohnen in den Wolkenkratzern und zu leben?
Amir Gudarzi findet in WONDERWOMB einen Ton, der geprägt ist von der Gleichzeitigkeit von Hier und Dort, Herrschaft und Unterdrückung, Ausbeutung und Nutzen, aber vor allem: Leben und Tod. Es ist ein komplexes Oratorium. Ein Weltzusammenhangsversuch, der doch den Trost und die Hoffnung nicht ungesagt lässt. Für alle Menschen ab 15 Jahren.

Ort:

Kleines Tasch

Premiere:

Saturday, 17.09.2022

Regie: Eva Lange
Bühne: Carolin Mittler
Musik: Katrin Vellrath
Dramaturgie: Christin Ihle
Theaterpädagogik: Lotta Janßen

 

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